
Sich auf den Weg machen. . .
Was erwartet uns auf dem Jean Paul-Weg?
„Ich freue mich, dass der Jean Paul-Weg zu dem geworden ist, was er werden sollte: Eine 200 km lange Ader durch eine wunderschöne Landschaft, durch die pure Energie fließt und die nicht nur Jean Pauls biografische Heimatorte, sondern Oberfranken verbindet.“
„Ich habe den Eindruck, dass durch den Jean Paul-Weg in Oberfranken eine Art beflügelte Volksbewegung in Gang gekommen ist.“
„Wie sehr freue ich mich schon auf die entwaffnenden, ehrlichen und menschlichen Weisheiten unseres Jean Paul auf dem neuen Weg.“
So reagierten unsere Partner vom Kulturfonds Bayern, vom Literaturportal der Bayerischen Staatsbibliothek und von der NÜRNBERGER Versicherungsgruppe beim Abschlussfest im Oktober 2012 in Sanspareil. Dann endlich konnte die letzte Teilstrecke des Jean Paul-Wegs in Oberfranken eröffnet werden – eine Story für sich, ein kulturpolitisches Entwicklungsprojekt für die Region, ein literarisch-touristisches Experiment. Und – so wie es aussieht – das Wagnis ist gelungen!
Mehr dazu in der Rubrik Weggeschichte
Hier die WikiMap dazu.
Auf Komoot finden Sie – dank Ralf Wittmann vom FGV – alle 10 Wanderstrecken & die Rundwege.
Eine sehr detaillierte Wegstreckenbeschreibung, Informationen zu Gastronomie und Unterkünften sowie aktuelle GPX Daten bietet auch die Tourismuszentrale Fichtelgebirge.
Mehr dazu, auch zu den Wanderkarten, in der Rubrik:
A-Z/Kartografie & Wegstrecken
Die Gesamtwanderkarte wurde 2025 vom FG-TZ / Fichtelgebirgs-Tourismus (Ferdinand Reb & sein Team) neu aufgelegt und ist in allen Tourismusbüros erhältlich.
. . . & reiste nur 1x zu Pferde (Reiterstück)
Jean Paul blieb zeitlebens ein passionierter Wanderer. Nur gelegentlich (und als er älter und betuchter war) nutzte er auch die Kutsche als Reise-Vehikel. Aber reiten? Einmal und nie wieder! Wie so oft verarbeitet er eigene Erfahrung in seinen Werken, so auch diese Episode einer offensichtlich peinvoll verlaufenen Pferdereise, die Sie hier gratis als Hörtext genießen können. Sie stammt aus seinem Roman Flegeljahre (1804 & 1805 in 2 Bänden erschienen), und findet sich dort im 12. Kapitel Unechte Wendeltreppe: Von den beiden Brüdern Walt & Vult muss Walt mehrere Prüfungen bestehen, um ein Erbe antreten zu können. Dabei muss er auch einmal eine Pferdereise antreten . . .

Gratis Hörtext, aber bitte am Telefon wählen.
Jean Paul empfiehlt das Nordic Walking
schon um 1809 – Achtung Satire!
Eine erste Kritik zum Jean Paul-Weg gab es auch schon – allerdings von den Tieren
»Raten Sie mir doch, Herr Professor«, fragte der Fürst, »welche Motion* ist die beste?- – »Gehen, Durchlaucht, als die rechte Mitte zwischen Reiten und zwischen Fahren«, antwortete Katzenberger.
»Aber ich gehe täglich, und es hilft mir wenig«, versetzte der dickleibige Regent. »Wahrscheinlich darum«, sagte der Doktor, »weil Höchstderoselben vielleicht nur mit den Füßen gehen; was zum Teil seine Nachteile hat – (der Fürst sah ihn fragend an) denn auch mit den Händen muß zu selber Zeit gegangen und sich bewegt werden, da wir Säugtiere in Rücksicht des Körpers ja Vierfüßer sind, wie Moscati sehr gut, nur mit Übertreibungen, bewiesen.« –
Er setzte nun die Sache mehr ins Licht und zeigte: »Das Venenblut steige ohnehin schwer die Füße herauf, häufe sich aber noch mehr in ihnen an, wenn man sie allein in Bewegung und Reizung setzt; und dann sei für den ganzen übrigen Venenblutumlauf nur schlecht gesorgt. Dasselbe bemerkt Puchelt im köstlichen Werke über »das Venensystem in seinen krankhaften Verhältnissen«; ein Werk, worin der Gang des Untersuchens den Verfasser so auszeichnet als der Gewinn durch dasselbe. Daher müssen durchaus die Oberfüße oder Arme als Mitarbeiter – wenigstens von hohen Personen, die mit ihnen nicht am Sägebocke oder hinter dem Garnweberstuhl oder auf der Drechselbank hantieren wollen – gleich stark mit den Unterfüßen auf und ab geschleudert werden, zumal da schon nach Haller in seiner Physiologie das einfache Aufheben eines Armes den Puls um viele Schläge verstärke.« –
Und hier machte der Doktor dem Fürsten den offizinellen Gang mit gehenden Perpendikelarmen**
so geschickt vor, daß er, wie ein trabendes Pferd, Ober- und Unterbeine in entgegengesetzter Richtung vorwärts und hinterwärts schlug; – und die ganze Badgesellschaft sah von fernen den unbegreiflichen und unehrerbietigen Schwenkungen des Doktors vor dem Fürsten zu.
»In der Tat«, sagte der Fürst lächelnd, »dies muß man versuchen, wenn auch nicht in großer Gesellschaft.«
Dr. Katzenbergers Badereise (Drittes Bändchen, Dritte Abteilung, 38. Summula)
*Motion = Bewegung, **Perpendikelarme = Uhrpendel-Arme
Hermann Glaser, der 2007 selber ein schönes, zwar in Japan erhältliches, hierzulande inzwischen vergriffenes Jean-Paul-Büchlein mit Johann Schrenk zusammen edierte, hat in einem kleinen Essay übrigens extra ein Konzil der Tiere einberufen, das Sinn und Qualität des Jean-Paul-Literatur- & Wanderweges bewerten sollte.
Fotos: Karla Fohrbeck
Das Ergebnis sei schon einmal verraten: Die Wald- & Wiesentiere finden zwar, dass Jean Paul sich literarisch zu wenig über die Tiere in freier Wildbahn geäußert habe, aber insgesamt sind sie auch aus pädagogischen Gründen und mit Blick auf die Jungtiere mit dem Jean-Paul-Weg sehr einverstanden.











