
Rauh, Caspar Walter (1912 – 1983)
Der Künstler wurde in Würzburg geboren, ging in Bayreuth aufs Gymnasium und absolvierte sein Kunststudium in Düsseldorf, Amsterdam und Berlin. Auf schwierige Berufs- und Kriegsjahre in der Hitlerzeit folgten zehn harte Nachkriegsjahre in Himmelkron. 1955 zog er mit seiner Frau und zwei Kindern nach Kulmbach, wo er 1983 starb.
Caspar Walter Rauh war Zeichner, Maler und Grafiker und gilt als Vertreter von Surrealismus bzw. Phantastischem Realismus, der es ihm erlaubte, die Schrecken, Traumata und Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs „zwischen Grauen und Humor“ in einer Art Niemands- oder Traumland anzusiedeln und zu verarbeiten.
Er schrieb und illustrierte Märchen und Kinderbücher, schuf aber auch Mappen mit Radierungen u.a. zu so speziellen Themen wie Schneckenfrau, Mondgesänge, Fische über Land gehend, das Narrenschiff – viele davon im Selbstverlag. Auch liebte er geistesverwandte Schriftsteller wie Edgar Allan Poe und E. T. A. Hoffmann. Im Kulmbach-Bayreuther Raum erinnern etliche Kunst-am Bau-Auftragsarbeiten an ihn, vor allem in Gestalt großflächiger Glasmosaiken. Der Künstler schuf sie auf handwerklich hohem Niveau (sie dienten immerhin inzwischen auch dem Lebensunterhalt), betrachtete sie aber nicht als sein Kerngebiet. 2024 konnte man sie im Rahmen der Ausstellung „Zweckbau mit Platz für die Schönen Künste“ vom Kunstmuseum Bayreuth in der Ausstellungshalle vom Neuen Rathaus im Rahmen eines Rückblicks noch einmal bewundern. 1971 erhielt Caspar Walter Rauh den Kulturpreis der oberfränkischen Wirtschaft.
Gedenkplakette am Nachkriegs-Domizil in Himmelkron (Pfarrhaus gegenüber der Markgrafenkirche)
Fotos: Karla Fohrbeck
Illustrationen zu Jean Paul
Von Caspar Walter Rauh gibt es zwei besonders beliebte und bekannte Graphiken zu Jean Paul, die uns freundlicherweise das Ehepaar Sabine und Horst Lohse (als Rechte-Inhaber) zur Verfügung gestellt haben.
a) die 1972 von Philipp Hausser in Auftrag gegebene wunderschöne Kaltnadelradierung „Jean Pauls (Schwabacher) Garten“ (Auflage 35 Exemplare), die auch im Jean-Paul-Museum Bayreuth zu sehen ist.
b) die Radierung von 1975, „Tod eines Dichters — Hommage à Jean Paul“ – mit dessen Wohn- und Sterbehaus Friedrichstraße 3-5 in Bayreuth, aus dem Bild- & Phantasiewelten dieses unsterblichen Dichters quellen, der – wolkenumhüllt – als Lichtauge mit dieser seiner Welt verbunden bleibt.
c) 1980 illustrierte C. W. Rauh mit 5 Kaltnadelradierungen eine bibliophile Ausgabe von Jean Pauls „Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch“, die in Bayreuth bei The Bear Press erschien (Auflage 50 Exemplare).
Giannozzo-Serie von Caspar Walter Rauh
Das (nahezu) Gesamtwerk finden Sie hier:
Rauhs Nachlass, eine umfangreiche Sammlung von Zeichnungen, Druckgrafiken, Gemälden und der gesamte Werkstattkomplex befinden sich als Dauerleihgabe der Oberfrankenstiftung im Kunstmuseum Bayreuth. Eine ebenfalls umfangreiche Sammlung mit Zeichnungen, Aquarellen, Druckgrafiken, Mosaiken und Dokumenten befindet sich zudem in privater Hand (Dr. Wolfram Benda; thebearpress@t-online.de).










