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Peter-Michael Tschoepe’s dialektische ZEIT-Collagen

Dass diese spezielle Sammlung überhaupt gezeigt werden konnte, verdanken wir Jörg Schlüter, inzwischen Galerist in Weißenstadt und Wunsiedel, der als Liebhaber von Tschoepes Kunstauffassung 2024 dessen Gesamtwerk von der Witwe erworben hatte. Aus Anlass des Jean Paul-Jubiläums 2025 (200. Todestag des Dichters) hat er den Bestand, der sich mit Jean Paul befasst, zusammengestellt und der Öffentlichkeit im Landratsamt Bayreuth erstmals komplett zugänglich gemacht.

Fotos: Karla Fohrbeck

Aus Peter Michael Tschoepes Jean Paul-Zyklus

Ein Klick auf die Bilder vergrößert diese

Eine kleine Vorschau hatte Christel Gollner zuvor auch in ihrer Trio-Ausstellung „Die vielen Himmel des Jean Paul“ (mit eigenen Werken und solchen von Hermann Rongstock & P. M. Tschoepe) im Alten Schloss Bayreuth am Markt offeriert, wo vom 21.3. bis 31.4. insgesamt 13 Bilder vom früheren Hofer Kulturamtsleiter gezeigt wurden. Ein Teil der Bilder war später im Jubiläumsjahr auch in Wunsiedel zu sehen (Galerie am Markt), wo sie auch als Mappe in Reproduktion zu erwerben waren.

Peter-Michael Tschoepe war – so Christel Gollner – „ein leidenschaftlicher Vermittler zwischen Kunst und Gesellschaft“. Vor allem lag ihm daran, Bildende Kunst öffentlich zugänglich zu machen, sei es durch Ausstellungen in Wartezimmern, Supermärkten, als Kunst im öffentlichen Raum oder bei der Landesgartenschau 1994 in Hof, bei der Laien und Künstler gemeinsam tätig wurden. Auch als Autor wurde er tätig. Er schrieb für die „Kulturwarte“, verfasste Texte für Fotobände von Reinhard Feldrapp und erzählte Otmar Alts Geschichte vom Nussknacker. Er beteiligte sich in seiner Zweitberufung als Künstler u.a. an Ausstellungen der Freien Gruppe Bayreuth. Im Museum Bayerisches Vogtland sind Werke von ihm ausgestellt. Ausstellungen zu Lebzeiten sind verhältnismäßig selten. In seinem Nachlass befanden sich über 1000 Bilder. Die Werke vor den 1990er Jahren wurden von Tschoepe in einer persönlichen und künstlerischen Schaffenskrise bis auf wenige Ausnahmen vernichtet.

Beeindruckend in dieser Gesamtschau mit Werken zu Jean Paul ist nicht nur die Anzahl und die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen der 75 illustrativ und malerisch im eigenen Duktus des Künstlers kreierten Werke, sondern auch der Malgrund. Hier wird das jeweilige Zitat Jean Pauls durch den Kontrast zum entsprechenden Zeitungsthema förmlich zum Leben erweckt. Es entsteht ein „zeitgenössischer philosophischer Dialog“, oft nicht einfach zu entziffern bzw. zu entschlüsseln. Die Blätter sind vor allem 1999-2000 auf Zeitungsseiten der ZEIT entstanden und bilden die Konstante in dieser beeindruckenden Serie. Collagiert, kalligrafisch übermalt und in vielfältiger Formensprache fangen sie den Kosmos Jean Pauls ein. Eine spannende Spurensuche kann beginnen, ganz im Sinne des Literaten.

Peter-Michael Tschoepe kontrastiert Jean Paul-Zitate mit Themen aus der ZEIT

Es kostet mehr Zeit, den Fehler auszuradieren als ihn zu schreiben.

Kromwel schlief in 15 verschiedenen Schlafzimmern, für mich ist ein 2tes eine Qual, weil es bei dem Erwachen mir die Wiederkehr des örtlichen Bewusstseins verzögert

Am Tage bin ich in der Einsamkeit,
Nachts geh‘ ich in Gesellschaft,
nämlich zu Bette unter die vielen Traumwesen.

Die Menschen verwechseln immer Regierungsform mit Regierenden und umgekehrt (Kanzler, Krisen, Kontroversen…)

Man liest die große Zahl der zitierten Autoren und denkt nicht daran, daß Todte mit einem reden (Manche Tote leben länger)

Sein Buch stirbt wie Vespasian auf dem Nachtstuhl (Trau, schau, wem!)

Kontakt zu Galerist Jörg Schlüter: bauernhausmuseum@gmx.de

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